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ICD-10
(Internationale Klassifikation psychischer Störungen, Kap. V (F), Forschungskriterien,
 Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 1994)

Übersicht

F 84.0 frühkindlicher Autismus

F 84.1 atypischer Autismus

F 84.2 Rett-Syndrom

F 84.5 Asperger Syndrom
 

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ICD-10

ICD-10 Kapitel V (F) Forschungskriterien, F 84  Tiefgreifende Entwicklungsstörungen
 

F84.0 frühkindlicher Autismus

A. Vor dem dritten Lebensjahr manifestiert sich eine auffällige und beeinträchtigte
    Entwicklung in mindestens einem der folgenden Bereiche:

1. rezeptive oder expressive Sprache, wie sie in der sozialen Kommunikation
    verwandt wird
2. Entwicklung selektiver sozialer Zuwendung oder reziproker sozialer Interaktion
3. funktionales oder symbolisches Spielen.
 

B. Insgesamt müssen mindestens sechs Symptome von 1., 2. und 3. vorliegen, davon
    mindestens zwei von 1. und mindestens je eins von 2. und 3.:

1. Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion in mindestens zwei
    der folgenden Bereiche:
    a. Unfähigkeit, Blickkontakt, Mimik, Körperhaltung und Gestik zur Regulation
        sozialer Interaktionen zu verwenden
    b. Unfähigkeit, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzunehmen, mit gemeinsamen
        Interessen, Aktivitäten und Gefühlen (in einer für das geistige Alter
        angemessenen Art und Weise trotz hinreichender Möglichkeiten)
    c. Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit, die sich in einer Beeinträchtigung
        oder devianten Reaktion auf die Emotionen anderer äußert; oder Mangel an
        Verhaltensmodulation entsprechend dem sozialen Kontext; oder nur labile
        Integration sozialen, emotionalen und kommunikativen Verhaltens
    d. Mangel, spontan Freude, Interessen oder Tätigkeiten mit anderen zu teilen (z. B.
        Mangel, anderen Menschen Dinge, die für die Betroffenen von Bedeutung sind,
        zu zeigen, zu bringen oder zu erklären).

2. Qualitative Auffälligkeiten der Kommunikation in mindestens einem der folgenden
    Bereiche:
    a. Verspätung oder vollständige Störung der Entwicklung der gesprochenen
        Sprache, die nicht begleitet ist durch einen Kompensationsversuch durch Gestik
        oder Mimik als Alternative zur Kommunikation (vorausgehend oft fehlendes
        kommunikatives Geplapper)
    b. relative Unfähigkeit, einen sprachlichen Kontakt zu beginnen oder
        aufrechtzuerhalten (auf dem jeweiligen Sprachniveau), bei dem es einen
        gegenseitigen Kommunikationsaustausch mit anderen Personen gibt
    c. stereotype und repetitive Verwendung der Sprache oder idiosynkratischer
        Gebrauch von Worten oder Phrasen
    d. Mangel an verschiedenen spontanen Als-ob-Spielen oder (bei jungen
        Betroffenen) sozialen Imitationsspielen.

3. Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten in
    mindestens einem der folgenden Bereiche:
    a. umfassende Beschäftigung mit gewöhnlich mehreren stereotypen und begrenzten
        Interessen, die in Inhalt und Schwerpunkt abnorm sind, es kann sich aber auch
        um ein oder mehrere Interessen ungewöhnlicher Intensität und Begrenztheit
        handeln
    b. offensichtlich zwanghafte Anhänglichkeit an spezifische, nicht funktionale
        Handlungen oder Rituale
    c. stereotype und repetitive motorische Manierismen mit Hand- und Fingerschlagen
        oder Verbiegen, oder komplexe Bewegungen des ganzen Körpers
    d. vorherrschende Beschäftigung mit Teilobjekten oder nicht funktionalen Elementen
        des Spielmaterials (z. B. ihr Geruch, die Oberflächenbeschaffenheit oder das von
        ihnen hervorgebrachte Geräusch oder ihre Vibration).
 

C. Das klinische Bild kann nicht einer anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörung
    zugeordnet werden, einer spezifischen Entwicklungsstörung der rezeptiven Sprache
    (F80.2) mit sekundären sozio-emotionalen Problemen, einer reaktiven
    Bindungsstörung (F94.1), einer Bindungsstörung mit Enthemmung (F94.2), einer
    Intelligenzminderung (F70-F72), mit einer emotionalen oder Verhaltensstörung,
    einer Schizophrenie (F20) mit ungewöhnlich frühem Beginn oder einem
    Rett-Syndrom (F84.2).
 

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F84.1 atypischer Autismus

A. Vorliegen einer auffälligen und beeinträchtigten Entwicklung mit Beginn im oder nach
    dem dritten Lebensjahr (die Kriterien entsprechen denen des Autismus, abgesehen
    vom Manifestationsalter).

B. Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion oder der
    Kommunikation oder begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster,
    Interessen und Aktivitäten (die Kriterien entsprechen denen für Autismus,
    abgesehen von der Zahl der gestörten Bereiche).

C. Die diagnostischen Kriterien für Autismus (F84.0) werden nicht erfüllt.

Der Autismus kann untypisch in Bezug auf das Erkrankungsalter (F84.10) oder in der Symptomatologie (F84.11) sein. Diese beiden Typen können für Forschungszwecke mit einer fünften Stelle differenziert werden. Autistische Syndrome mit atypischem Erkrankungsalter und atypischer Phänomenologie sollten mit F84.12 kodiert werden.
 

F84.10 Autismus mit atypischem Erkrankungsalter

A. Das Kriterium A. für Autismus (F84.0) wird nicht erfüllt. D.h. die auffällige und
    beeinträchtigte Entwicklung wird erst im oder nach dem dritten Lebensjahr deutlich.
B. Die Kriterien B. und C. für Autismus (F84.0) werden erfüllt.
 
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F84.11 Autismus mit atypischer Symptomatologie

A. Das Kriterium A. für Autismus ist erfüllt. D.h. Vorliegen einer auffälligen und
    beeinträchtigten Entwicklung vor dem dritten Lebensjahr.
B. qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion oder der
    Kommunikation oder begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster,
    Interessen und Aktivitäten (die Kriterien für Autismus sind erfüllt abgesehen von der
    Zahl der beeinträchtigten Bereiche).
C. Das Kriterium C. für Autismus wird erfüllt.
D. Das Kriterium B. für Autismus F84.0 wird nicht vollständig erfüllt.
 
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F84.12 atypisches Erkrankungsalter und atypische Symptomatologie

A. Das Kriterium A. für Autismus wird nicht erfüllt. D. h. die auffällige und
    beeinträchtigte Entwicklung wird erst im oder nach dem dritten Lebensjahr deutlich.
B. Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion oder der
    Kommunikation oder begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster,
    Interessen und Aktivitäten (die Kriterien entsprechen denen des Autismus
    abgesehen von der Zahl der beeinträchtigten Bereiche).
C. Das Kriterium C. für Autismus wird erfüllt.
D. Das Kriterium B. für Autismus (F84.0) wird nicht vollständig erfüllt.
 
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F84.2 Rett-Syndrom

A. Eindeutig normale pränatale und perinatale Periode und eindeutig normale
    psychomotorische Entwicklung während der ersten fünf Monate und normaler
    Kopfumfang bei der Geburt.

B. Abnahme des Kopfwachstums zwischen dem 5. Lebensmonat und dem 4.
    Lebensjahr und Verlust der erworbenen zielgerichteten Handbewegungen zwischen
    dem 5. und dem 30. Lebensmonat, verbunden mit einer gleichzeitigen
    Kommunikationsstörung und beeinträchtigten sozialen Interaktionen und Auftreten
    von kaum koordiniertem, unsicheren Gang und /oder Rumpfbewegungen.

C. Entwicklung einer schwer gestörten expressiven und rezeptiven Sprache mit einer
    schweren psychomotorischen Verlangsamung.

D. Stereotype Handbewegungen (wie Händewringen oder Waschbewegungen), die
    mit oder nach dem Verlust zielgerichteter Handbewegungen auftreten.
 

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F84.5 Asperger Syndrom

A. Es fehlt eine klinisch eindeutige allgemeine Verzögerung der gesprochenen oder
    rezeptiven Sprache oder der kognitiven Entwicklung. Die Diagnose verlangt, daß
    einzelne Worte bereits im zweiten Lebensjahr oder früher und kommunikative
    Phrasen im dritten Lebensjahr oder früher benutzt werden. Selbsthilfefertigkeiten,
    adaptives Verhalten und die Neugier an der Umgebung sollten während der ersten
    drei Lebensjahre einer normalen intellektuellen Entwicklung entsprechen. Allerdings
    können Meilensteine der motorischen Entwicklung etwas verspätet auftreten und
    eine motorische Ungeschicklichkeit ist ein häufiges (aber kein notwendiges)
    diagnostisches Merkmal. Isolierte Spezialfertigkeiten, oft verbunden mit einer
    auffälligen Beschäftigung sind häufig, aber für die Diagnose nicht erforderlich.

B. Qualitative Beeinträchtigungen der gegenseitigen sozialen Interaktion (entsprechend
    den Kriterien für Autismus).

C. Ein ungewöhnlich intensives umschriebenes Interesse oder begrenzte, repetitive
    und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten (entspricht dem
    Kriterium für Autismus, hier sind aber motorische Manierismen, ein besonderes
    Beschäftigtsein mit Teilobjekten oder mit nicht-funktionalen Elementen von
    Spielmaterial ungewöhnlich).

D. Die Störung ist nicht einer anderen tiefgreifenden Entwicklungsstörung, einer
    schizotypen Störung (F21), einer Schizophrenia simplex (F20.6), einer reaktiven
    Bindungsstörung des Kindesalters oder einer Bindungsstörung mit Enthemmung
    (F94.1 und F94.2) einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung (F60.5) oder einer
    Zwangsstörung (F42) zuzuordnen.
 
 

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